Der Baum. Mit anderen Augen

Ungeachtet bereits erschienener Baumbücher ist der Autor überzeugt, dem noch etwas Neues, Lesenswertes hinzuzufügen. Grundlage ist ein Fundus von über 500 Farbfotografien aus aller Welt, die überwiegend als Collagen angeordnet werden. Auf ganzseitige Formate braucht der Leser aber  nicht verzichten. Das inhaltlich in 16 verschiedene Sachgebiete – der Autor nennt sie Kategorien – unterteilte Thema überspannt einen weiten Bogen. Bei der Behandlung solitärer Bäume stehen nicht nur Einzelgänger in kargen Wüstenregionen oder Felsmassiven im Fokus, sondern es wird auch das Phänomen des wilden Baumbewuchses in Ruinen gestreift. In der Kategorie „Bäume in Gemeinschaft“ wird neben dem Wald die Rolle der „Holzartigen“ in Alleen, Parks und Botanischen Gärten besprochen. Auch werden Stadtbäume im kommunalen Umfeld aufgespürt und fotografiert und ihre Bedeutung für das Mikroklima und die Ästhetik in den Städten thematisiert. Holz als nachwachsender Rohstoff und dessen Verarbeitung zu unzähligen nützlichen Halbfertig- und Endprodukten ist omnipräsent. Aber auch die künstlerische Verarbeitung von Holz ist ebenso ein Thema, wie Traditionen und Bräuche, die sich seit Jahrhunderten mit Bäumen verbinden lassen. Über allem thront die herausragende Rolle des Waldes als Klimaregulanz, als Sauerstoffproduzent und CO2-Absorber, als Ort der Ruhe und Erholung, ja sogar als Therapeut und Arzt. Die Schwierigkeit, die richtige Balance zwischen intensiver Forstwirtschaft, Erholung und Naturschutz hinzubekommen und die verschiedenen Positionen zu vereinen, bleibt dabei nicht ausgespart.

Noch eine Besonderheit. Dem Autor ist es gelungen, 16 Fachleute aus 6 Bundesländern, die beruflich einen sehr unterschiedlichen Bezug zu Bäumen und Holz besitzen und damit sehr verschiedene Sichtweisen einbringen, zur Mitarbeit an dem Projekt zu gewinnen. Zu ihnen gehören u.a. die renomierte Botanikerin und Direktorin des Botanischen Gartens Münchens und Mitglied der Leopoldina, Frau Professor Sabine S. Renner und der langjährige wissenschaftliche Leiter des Botanischen Gartens Mainz und heutige Ehrenpräsident der dendrologischen Gesellschaft der BRD, Dr. Ulrich Hecker. Und man kann von ihnen noch einiges hinzulernen. Oder hätten Sie gewusst, was es mit einem Birken- oder Buchenklima auf sich hat und dass ein Nagetier, das Aguti, maßgeblich zur Verbreitung der Paranuss im brasilianischen Regenwald beiträgt? Oder wissen Sie gar was ein Phanerophyt ist? Wie groß und wie alt Bäume werden können? Nein. Keine Bange, hierauf und viel mehr erhalten Sie in diesem Buch eine Auskunft. 

ISBN: 9783948496067
Preis: 26,99

Leseprobe

aus DER AGRARINGENIEUR  Dr. Andreas Stark 
…… macht sich Sorgen um den Fortbestand der Ivenacker Eichen

………. Bäume, die uns anrühren haben eine andere Geschichte: Sie wuchsen in sogenannten Hudewäldern oder als Solitärbäume in Parks und Gärten, sie sind Gerichtseichen und Dorflinden und erreichen ein hohes Alter, das weit über den sogenannten „Umtriebszeiten“ ihrer forstlich genutzten Artgenossen liegt. Oftmals übersteigt es aufgrund optimaler Standortbedingungen und konservierender Eingriffe sogar das eigentliche biologische natürliche Höchstalter der Arten. Die Erntereife der meisten der in Deutschland forstlich genutzten Baumarten überschreitet die 100-Jahresgrenze. Die Stieleiche (Quercus robur) lässt der geduldige Forstmann sogar bis zu 300 Jahre wachsen! Mehr als dreimal so lange musste man allerdings warten, bis die sogenannten „Ivenacker Eichen“ ihre heutige Statur erlangten. Das kleine Dorf in Mecklenburg-Vorpommern beherbergt mit einer Gruppe uralter Stieleichen wohl eines der imposantesten Naturwunder Deutschlands. Die einzelnen Bäume hätten sicherlich Eigennamen verdient, die auch ihren in hunderten von Jahren erlittenen Blessuren Ausdruck verleihen würden oder ihrem besonderen Erscheinungsbild huldigten. Man beließ es bei den hier wachsenden Eichen jedoch bei einer profanen Nummerierung. Unumstritten ist, dass sich die Bäume in ihrer Alters- und Zerfallsphase befinden. Der siebente Baum hat als einziger der Gruppe noch alles, was man von einer imposanten Eiche erwartet (Voß & Rüchel 2006). 

Mit einem Stammdurchmesser von fast 3,5 Metern, einer Höhe von 36 Metern und einer nach so vielen Jahren immer noch intakten Krone stehen wir vor einem wahren Giganten seines Geschlechts….

4 Gedanken zu “Der Baum. Mit anderen Augen

  1. Imrich Bartosch, Halle (Saale), 28.4.2020

    Das Buch „DER BAUM. MIT ANDEREN AUGEN“ ist ein besonderes Buch, weil, wie der Titel schon sagt, hier mit vielen Augen und vielen Kamera-Augen gesehen wurde. Besonders auch, weil unterschiedliche Blickwinkel (nicht optisch gemeint) und unterschiedliche Standpunkte (nicht räumlich gemeint) enthalten sind.
    Trotz der vielen Bäume ist auch der Wald zu sehen.
    Fotografisch, literarisch und künstlerisch-alles bestens. Zu kritisieren? Dafür habe ich nichts gefunden.
    Ein Buch mit Erholungseffekten und bildend.

  2. Das Buch beschreibt die Reisen eines junggebliebenen Mannes, der seine Erlebenswelt niederschreibt und Wissen zusammenfassen möchte. Fokus legt er hier auf seine Umgebung, d.h. Tiere, natürliche Lebensräume und natürlich vor allem – Bäume.
    Man fühlt sich dem Autor in dem Buch sehr nahe. Man liest gerne Texte. Vor allem die Illustrationen sind herausragend schön. Als emotional würde ich sie jetzt nicht betiteln, aber als sehr schön. Vor allem die eigenen Geschichten und eigene Erzählweise von Momenten, lockern etwa auf.
    Der Autor hat das Wissen in den Vordergrund gerückt, d.h. die Wissensvermittlung hinsichtlich Jahreszeiten;Tiere etc. Es erinnert daher etwas an ein Biologielehrbuch. Da legt man dann doch mal eine Lesepause ein, um das Wissen erstmal zu verarbeiten.

    Sehr gefreut habe ich mich über Bilder mit dem Autoren. Leider nur vereinzelte, aber die zeigen, dass der Autor vor Ort war und auch weiß, wovon er schreibt. Lustige Selfies in Verbindung mit „fun facts“ hätten das Buch noch besser gemacht und mich mehr abgeholt.

    + Ein sehr schönes , sehr informatives Sachbuch (Biologieunterrichtsbuch des 21 Jahrhunderts)
    + sehr tiefgründiges Wissen
    + schönste Bilder
    +angenehme Erzählweise

    – fehlende Geschichten zu Bildern, wie sie entstanden sind, um eben eine Emotion herüberzubringen – Sozusagen ein Bild hinter dem Bild geben.

    Ich gebe dem Buch 4 von 5 Sternen
    Wirklich gelungen und freue mich aufs nächste Buch, wo der Autor sich vllt noch mehr in den Vordergrund rückt und seine Erlebenswelt, seine Emotionen beschreibt.

    Kaufempfehlung für naturverbundene und wissbegierige!

  3. Das Buch gefällt mir sehr gut. Beeindruckend ist die von Ihnen erreichte Vielseitigkeit der Themen, Betrachtungsweisen und Motive.
    ….Sehr interessant finde ich den Beitrag Totholz auf Seite 106-110. Schön, dass dieser Aspekt einmal eine besondere Würdigung erfährt.

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