Einmal ist (nicht) keinmal

54Erstaunt stellt der Autor im Rückblick fest, wie viele Dinge sich in seinem Leben nur ein einziges Mal abgespielt haben. Er weint diesem Schicksal jedoch nicht nach, ist manchmal sogar froh darüber, dass sie so und nicht anders abgelaufen sind und eine Wiederholung der Geschehnisse weder möglich noch erstrebenswert ist. Dass die unterhaltsam geschilderten persönlichen Erlebnisse neben der Einmaligkeit auch noch etwas Kurioses und Spannendes an sich haben, macht sie besonders interessant, kurzweilig und lesenswert. Ob es der Versuch ist, seiner fast zweiundneunzigjährigen Mutter Erinnerungen über seine eigene Geburt zu entlocken, oder das eigenartige Zusammentreffen mit seinem Professor auf der Toilette, der historische Händedruck von Starkommentator Fritz Pleitgen, seine skurrilen Erlebnisse während seines einzigen Kuraufenthalts oder der erste und einzige, noch dazu verunglückte Ritt auf einem Pferd, stets schwingt in den Geschichten neben der Dramatik und Situationskomik auch ein Schuss Selbstironie mit. Sogar bei der Schilderung des von Randalen begleiteten, einzigen live miterlebten Fussballspiels des Halleschen Fußballclubs HFC oder der peinlichen Impfaktion gegen die Schweinegrippe ist neben dem Unverständnis und Ärger darüber stets auch Schmunzeln angesagt und der erhobene Zeigefinger mit im Spiel. Lassen Sie sich überraschen, was der Autor sonst noch alles nur einmal erlebt hat und wie vergnüglich, lustig, humorvoll, aber auch dramatisch die Erzählungen darüber sein können.

Autor: Rolf-D.-Klodt
Seitenzahl: 241 mit 11 Abbildungen
Abmessung: 200mm x 140mm x 23mm
Gewicht: 320g ISBN-13: 9783862371280
ISBN-10: 386237128XBest.Nr.: 31570899


Leseprobe

Zu „Beben Stärke 5“  Ich strebte, wie immer wochentags in der Frühe, schläfrig und behäbig, die Hauspantoffel hörbar auf dem  Parkett hinter mir her ziehend, dem Badezimmer zu. Meine Frau und ich  hatten uns einvernehmlich geeinigt,  das Frühstück abwechselnd vorzubereiten. So gingen wir uns – zumindest in den ersten Minuten nach dem  Aufstehen, wenn sich der Morgenmuffel in mir besonders offenbarte – aus dem Wege. Beim gemeinsamen  Frühstück, dem aromatisch duftenden Kaffe und einem ersten Blick in die Zeitung verflog die Müdigkeit  allmählich und es wurden schon mal ein paar Worte gewechselt. Heute wurde ich bewirtet und durfte mich  demzufolge als erster im Bad zurechtmachen. Das Gesicht, das mich aus dem Spiegel argwöhnisch anschaute,  sah reichlich zerknirscht aus. Meine ohnehin schon kleinen Augen waren nur einen winzigen Spalt weit  geöffnet und blinzelten gegen das grelle Licht der Badbeleuchtung an. Deutliche, von oben nach unten  verlaufende Furchen im Bereich der Wangen, Abdrücke, die von einer unbequemen Liegeposition im  Kopfkissen zeugten, ließen den Mann im Spiegel um einiges älter erscheinen als er war. Die in  unterschiedlichen Farbnuancen und unregelmäßig sprießenden Barthaare taten ihr übriges an diesem  Erscheinungsbild. Die kleinen dünnen Fältchen rund um die Augen vermittelten den Eindruck, als hätte ich die  ganze Nacht durchgezecht. Doch dem war nicht so. Die Vorstellung, dass man die Dinger ja auch „Lachfalten“  nennt, ließ unwillkürlich ein leichtes Grinsen über mein Gesicht huschen. Kurz darauf war der ursprüngliche,  miesgrämig dreinschauende Gesichtsausdruck bereits wieder hergestellt. Doch der Anblick war für mich nicht  ungewöhnlich und auch kein Grund, den weiteren Tagesverlauf pessimistisch anzugehen. Ich kannte ja die  morgendliche Visage des Herrn im Spiegel nun schon seit Jahren. Jetzt eine schnelle Rasur, ein erfrischendes  Bad, das wohl duftende Aftershave von Boss auf die Haut aufgetragen und die zerzauste Frisur in Ordnung  gebracht – und schon sieht die Welt viel freundlicher aus. Der Trockenrasierer surrte bereits seine vertraute  Melodie. Ich summte leise mit.Doch urplötzlich war der gewohnten Trott, wie weggeblasen.Ich vernahm ein  dumpfes Grollen. Die Fliesen unter meinen Füßen schienen nach hinten abzugleiten…….

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2 Gedanken zu “Einmal ist (nicht) keinmal

  1. Beide Bücher „Mein Onkel Erich“ und „Einmal ist (nicht)keinmal“ haben mir gut gefallen. Man kann darin in das Leben eines anderen Menschen schauen, zumindest in kleine und kurzweilige Ausschnitte (was besonders interessant ist, wenn man Orte der Handlung kennt).
    Da die Bücher in der Zeit der DDR handeln, ist es Jüngeren möglich, sich in diese Zeit zu versetzen. Weil die Bücher die Realität beschreiben, sind sie auch als Schul-Literatur geeignet.
    Der Schreibstil ist in einem Wort gesagt:“Dauerschmunz eln“. Es ist zwar übertrieben, dass jeder Satz mit einer Pointe endet, aber „Übertreibung“ macht deutlich.

  2. Hallo Rolf-D. Du hast eine flotte Schreibe, die sich gut liest und mich ein wenig an Kishon erinnert. Bezüglich der Inhalte war für mich….. manches vertraut und ich finde athmosphärisch gut getroffen. Deine NVA-Zeit nimmt für mich zu viel Raum ein und ist (für einen Wessi) doch ziemlich exotisch. Man merkt beim Vergleich der beiden Bücher auch deutlich die gesellschaftlichen Veränderung, der Du in den letzten Jahren unterworfen warst. Das 2. Buch „Einmal ist (nicht) keinmal“ ist auch bei der Themenwahl der Erzählungen breiter und offener und hat nicht mehr diesen deutlichen DDR-Touch.
    In jedem Fasll kann ich Dich nur ermutigen weiter zu machen, Dich mal vom Autobiografischen zu lösen und ein ganz heues Sujet (roman, Krimi)zu versuchen.

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