Mein Onkel Erich

47Das Buch spannt den zeitlichen Rahmen von den Nachkriegsjahren in der DDR bis zurWendezeit – versteht sich jedoch keinesfalls als ein nostalgisches Porträt der DDR- Historie.Im Mittelpunkt der humorvoll erzählten, vorwiegend in Mecklenburg spielenden Geschichten steht mit Onkel Erich eine liebevolle und kauzige Hauptfigur – ein echtes Original. Obwohl es der eingefleischte Junggeselle in seiner Jugend und im weiteren Verlauf seines Lebens nicht immer leicht gehabt hat, entpuppt sich der gelernte Buchhalter als eine mit vielerlei Gaben, aber auch sonderbaren Marotten ausgestattete Persönlichkeit. Trotz oder gerade wegen seiner Schrullen muss man ihn einfach mögen. Der Autor bringt dem Leser in den schwungvoll erzählten Episoden durch seine indirekte Beteiligung an den Handlungen die Geschehnisse nahe, wobei zahlreiche Anekdoten den Text beleben und immer wieder zum Schmunzeln verleiten. Die erlebnisreichen Erzählungen werden durch Illustrationen des bekannten Mecklenburger Malers und Grafikers Horst Schmedemann stimmungsvoll ins Bild gesetzt. Autor: Rolf-D. Klodt Illustrator: Horst Schmedemann

ISBN: 978-3-86634-399-3 Umfang: 254 Seiten Verarbeitung: Paperback
ISBN: 978-3-86634-408-2 Umfang: 254 Seiten Verarbeitung: Hardcover / Leinen


Leseprobe

Zu “Das erste Mal im Knast”  Ich hatte noch nicht einmal ein Bier bestellt, auch war ich mit meiner Observierungstätigkeit   noch zu keinen klaren Erkenntnissen gelangt, da passierte plötzlich etwas Unfassbares für mich. Fast  unbemerkt waren drei bewaffnete Armeeangehörige in den Kasseneingangsraum eingetreten und steuerten  geradewegs auf mich zu. Es war, wie unschwer zu erkennen war, ein Streifendienst der – das sagten die  weißumrandeten Schulterstücke aus – Sandlatscher mit einem Feldwebel als Streifendienstverantwortlichen,  einem Gefreiten und einem Soldaten im Schlepptau. Ich versuchte, indem ich meine Beobachtung in Richtung  Saal intensivierte, von mir abzulenken, doch im gleichen Moment drang ein lautes „Genosse, darf ich Ihren  Ausweis und die Ausgangsgenehmigung sehen“ an mein Ohr. Da sich außer mir weit und breit kein Mensch in  Uniform in der näheren und weiteren Umgebung befand, zudem die Blicke des Fragestellers unzweifelhaft auf  mich gerichtet waren, stand fest: „Die meinen mich !“ Obwohl ich kein lupenreines Gewissen hatte, was  meine Ausgangserlaubnis betraf, konnte ich mir zu diesem Zeitpunkt nicht im Entferntesten ausmalen, welche  Folgen dieses Zusammentreffen mit den drei Uniformierten für mich haben würde. Ich suchte nach meinem  Dienstausweis, den ich auch vergleichsweise schnell aus meiner Brusttasche hervorzauberte. Der Chef der  Streife sah sich den Ausweis von allen Seiten an, drehte ihn dann noch einmal vom Kopf auf die Füße und  konnte nach seinem Gesichtsausdruck zu urteilen offensichtlich überhaupt nichts mit den darin enthaltenen  Eintragungen anfangen. Jetzt erst wurde mir klar, dass es eine Streife aus Schwerin sein muss, die hier nach  Sündern ihres Standortes Ausschau hielt. In unserer Truppe jedenfalls hatte ich diese Gesichter noch nicht  gesehen.Ehe er jedoch weitere Informationen zu meiner Einheit einholte, verlangte er zunächst erst mal meine  Ausgangserlaubnis. Ich hatte zwar irgend einen Zettel, der mich zum Ausgang berechtigte, doch die Form  schien den Genossen überhaupt nicht zu behagen. Nachdem der Ausgangsschein zwischen den Dreien die  Runde gemacht hatte und nun wieder in der Hand des Streifenführers lag, bohrte dieser tiefer nach: „Wo sind  Sie stationiert, Genosse Gefreiter? Wie weit geht Ihr Ausgangsgangsbereich? Wer ist Ihr Standortkommandant  ?“ prasselte es nur so an Fragen auf mich nieder. …

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Ein Gedanke zu “Mein Onkel Erich

  1. Ich bin überrascht und zugleich begeistert von der Schreibweise Rolf Klodts in seinem Onkel Erich.
    Es war für mich kurzweilig und amysant.

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